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Pierre Kynast | 19. April 2007 | Email: pierrekynast@pierrekynast.de
Über das Buch
„Gott ist tot!“ und – müsste man in einem Wort sagen, was Friedrich Nietzsches Übermensch ist, so lautete die Antwort: „Die Ablösung Gottes.“ Der alte Gott und die mit ihm verbundenen christlichen Wertvorstellungen haben sich als lebensfeindlich, als die größten Verleumder des Lebens erwiesen. Dies ist der erste Gedanke, der in der Auswertung von Nietzsches Schriften verdeutlicht wird.
In der Idee des Übermenschen sind die christlichen Werte, samt den Irrtümern auf denen sie ruhen, überwunden. In ihr kommt das Leben zu seinem vollen Recht. Einschließlich aller Härten wird im dritten Teil des Buches nachvollzogen, was leben für Nietzsche heißt. Zuerst und zuletzt heißt leben töten und sterben lassen und darüber hinaus auch immer wieder Irrtum und Blendung. Und insoweit der Übermensch all das Furchtbare und Fragwürdige des Lebens in sich vereint, erscheint er als Gegensatztypus zum Christen – als Antichrist. Aber der Übermensch ist mehr als die Verneinung der christlichen Werte und ihrer modernen Nachfolger. Es ist ein Ansatz zu einer Philosophie der Zukunft, die das Leben fest ins Auge fasst und dem Menschen ein neues Ziel setzt: seine eigene Erhöhung und Steigerung – seine fortgesetzte Selbstüberwindung. Der vierte Teil des Buches behandelt Nietzsches Ansätze zu dieser Philosophie der Zukunft.
Es gilt, einiges hinter sich zu lassen, um sich Nietzsches Übermenschen zu nähern. Man muss sich auf diese Philosophie einlassen, um ihr „Jasagen im Neintun“ zu verstehen. Und es bedarf einiger Kraft, um die alten Wertschätzungen fahren zu lassen, besonders, da man meist selbst noch mit mindestens einem Bein auf ihnen steht. Es gilt zuerst die eigene Schwäche zu überwinden, um das Leben bejahen zu können und so notwendig auch den Schmerz und den Tod.
Seit seiner Erfindung hat Friedrich Nietzsches „Übermensch“ zu Irritationen, Fehldeutungen und bisweilen böswilligen Unterstellungen Anlass gegeben. Gerade in Deutschland ist es seit Ende der Nazidiktatur still um diese Idee geworden. Die vorliegende Darstellung löst sich methodisch von besagten Vorabverurteilungen, indem sie sich ausschließlich auf Nietzsches Schriften bezieht. Es geht also nicht um eine Aufarbeitung des Begriffs und seiner Rezeptionsgeschichte, sondern allein um seine werkimmanente Deutung. Das Buch bietet so die Möglichkeit, die Diskussion um Nietzsches zukunftsweisendes Konzept erneut und ohne historischen Ballast aufzunehmen.
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